Zielstrebig und willensstark

AHF-Schülerin Kathleen Kanev gewann Deutsche Jugend-Hallenmeisterschaften in der Klasse U16

So richtig fassen kann es Kathleen Kanev auch ein paar Tage nach dem Coup noch nicht. „Dass ich den Titel gewonnen habe, kann ich kaum glauben“, ringt sie immer noch nach Erklärungen. Die 16-Jährige hatte in dem erlesenen Feld keiner auf der Rechnung. Sie ist eine der wenigen Elitetennisspielerinnen, die in ihrer Altersklasse noch Schule und Leistungssport verbinden und sich noch nicht dem Profitum verschrieben haben.

Das heißt: Sie muss das tägliche Training mit der schulischen Bildung meistern. Nicht immer ganz einfach für die Schülerin der August-Hermann-Francke-Schule, die aber davon profitiert, dass sie sich Ziele setzt. „Ich kann mich konzentrieren und bin zielstrebig“, gibt sie preis, warum sie alles für sich zur Zufriedenheit managt. Ihr großes Plus ist aber ihre Willensstärke und ihr Ehrgeiz.

Wie im Halbfinale gegen die Favoritin Estelia Jäger aus Soest, gegen die sie im ersten Satz mit dem 6:1 so deutlich führte, dass diese resignierte. Im Finale wartete letztlich Anne Knüttel aus Würzburg auf die Alten-Buseckerin, die in der Jugend für den TC Wetzlar und im Damenbereich für den SC Safo Frankfurt aufschlägt. Es ging munter hin und her, neun Breaks lagen hinter den beiden, ehe es 5:4 für Kanev stand. Sie schlug auf und wusste, wenn sie den Aufschlag durchbringt, ist das ein großer Schritt in Richtung Titelgewinn. Kanev bewies ihre Klasse, aber auch ihre Nervenstärke. Das 6:4 folgte, der Satzgewinn war da – und im nächsten Durchgang eilte sie im ICE-Tempo zum 6:0 und zur Meisterschaft.

Zwar hatte sie in letzter Zeit im Übungsprozess verstärkt mit Trainer Jochen Müller an ihrer Vorhand gearbeitet. In den Tagen in Essen war es aber ihre einhändig geschlagene Rückhand, die zum Winner avancierte. „Ich habe mit ihr keine Fehler gemacht“, erzählt sie mit einem gewissen Stolz in der Stimme.

Aber auch die starke Beinarbeit verhalf ihr zum Sieg. Dank ihrer verbesserten Athletik konnte sie ihr druckvolles Spiel gestalten: „Ich mache gerne Druck“, so die G8-Schülerin, die in zwei Jahren ihr Abitur machen möchte. Für sie hat der Schulabschluss absolute Priorität. „Später wird man sehen, ob es in Richtung Tennisprofi geht. Das ist davon abhängig, wie ich dann spielen werde“, sagt sie. „Ich bin kein Typ, der zu stark auf die Zukunft schaut.“

Der 41-jährige DTB-A-Schein-Inhaber Jochen Müller, der Kathleen Kanev seit fünf Jahren betreut und mit ihr täglich „Im Bodenfeld“ Bälle schlägt, ist davon überzeugt, dass sie ihren Weg gehen wird. „Sie ist talentiert, kampfstark und will immer gewinnen“, charakterisiert er seinen Schützling.

Das sind wahrlich nicht die schlechtesten Eigenschaften, um weiterhin erfolgreich Tennis zu spielen. Die volle Unterstützung von Mama Ivana, Papa Peter und ihrem 13-jähriger Bruder Colin hat sie bereits jetzt.

(Quelle: Gießener Allgemeine, 3.12.2016)


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