Ostern für Anfänger und für Fortgeschrittene


Dr. Joachim Eichhorn
Die Auferstehung ist das Ereignis der Weltgeschichte! Davon ist der Berliner Historiker Joachim Eichhorn überzeugt. Hier seine geschichtlichen, aber auch ganz persönlichen Gründe, die für die leibliche Auferstehung von Jesus Christus sprechen.

Im Film „Skyfall“ (2012) wird James Bond von einem Bösewicht angeschossen, und es sieht aus, als sei er tot. Was sein Hobby sei, wird Bond von seinem Gegner gefragt. „Auferstehung“, lautet die überraschende Antwort.

Bei mir wurde „Auferstehung“ aus einem anderen Grund zu einer Art Hobby. Die Auferstehung beschäftigte mich schon lange. Doch durch den Tod meiner Frau Christine wurde sie zu meinem Lebensthema. Über anderthalb Jahre habe ich Christine leiden sehen, dann hat Jesus sie zu sich geholt. Ich blieb mit zwei kleinen Kindern allein zurück. Als Christ glaube ich, dass Jesus Christus für mich und uns als Familie da ist – und meine verstorbene Frau nicht ins Nichts ging, sondern bei Christus ist. Diese Hoffnung macht den Tod – zumindest etwas – erträglicher. Unsere beiden Söhne werden ihre Mutter wiedersehen können und ich die Frau, mit der ich zehn Jahre verheiratet war.

Was Jesus von Napoleon und Mohammed unterscheidet
Als Historiker fasziniert mich die Auferstehung des Jesus von Nazareth. Historiker beschäftigen sich mit dem, was in der Vergangenheit liegt. Geburt, Leben, Tod und Auferstehung von Jesus liegen in der Vergangenheit. Geburt, Leben und Tod von Julius Cäsar liegen auch in der Vergangenheit – wo ist der Unterschied?

Ob das Vermächtnis einer Person über deren Lebenszeit hinaus Bestand hat, zeigt sich gewöhnlich nach ihrem Tod. Als Alexander der Große, Cäsar, Napoleon, Mohammed starben, waren sie bedeutende Persönlichkeiten. Bei Jesus Christus ist es anders. Nach seinem Tod ging es bei ihm erst richtig los.

Weshalb die Weltgeschichte geteilt wird
Seine Auferstehung macht den Unterschied. Deshalb teilen wir unsere Geschichte in die Zeit vor und nach Christus ein. Dabei ist die Geburt von Jesus von Nazareth „die Stunde null“. Im Roman des Berliner Philosophieprofessors Peter Bieri – erschienen unter dem Pseudonym Pascal Mercier – „Nachtzug nach Lissabon“ (2004) behauptet die Romanfigur Amadeu de Prado, im Zentrum des christlichen Glaubens stehe eine Hinrichtung, das schrecke ihn ab. Im Zentrum des christlichen Glaubens steht aber nicht die Kreuzigung, sondern die Auferstehung!

Alles vergeht, Jesus bleibt
Deutlich macht das der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Kirchengemeinde im griechischen Korinth (Kapitel 15,14ff.): „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann war unser Predigen wertlos, und auch euer Vertrauen auf Gott ist vergeblich … Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.“

Noch drastischer hat es die Jugendkirche „Jesus Freaks“ mal mit einem Aufkleber ausgedrückt: „Alles geht in Arsch, Jesus bleibt!“ Dieses „Jesus bleibt“ ist doppelt zu verstehen: Alles wird einmal vergehen, tot sein, beendet – nur eben Jesus nicht. Jesus Christus ist das Einzige, was einem im Leben bleibt, wenn alles andere am Ende ist.

Eine Religion von unten
Jesus von Nazareth war ein Zimmermann aus einer Provinz am Ende des Römischen Reiches. Er wurde von den religiösen und weltlichen Autoritäten zum Tode verurteilt und qualvoll sowie unehrenhaft, nackt am Kreuz hängend, hingerichtet. Seine Nachfolger haben sich in wenigen Jahrhunderten über das Römische Reich ausgebreitet. Ohne Facebook und Twitter, sondern zu Fuß und mit dem Segelschiff!

Dazu ist das Christentum eine Religion von unten. Viele andere prägende Religionen und Philosophien wurden von Eliten vorangetrieben. Der Islam war dazu noch kriegerisch erfolgreich und breitete sich auch deshalb rasch aus. Beim Islam und Buddhismus waren die maßgeblichen Personen wichtig, aber nicht allein ausschlaggebend – dies waren die verkündeten Gedanken. Anders beim Christentum: Hier steht ein gescheiterter Mensch im Mittelpunkt, der offiziell zum Verbrecher erklärt wurde. Der Religionsstifter ist dabei auch die Botschaft. Christen glauben schließlich nicht nur an bestimmte Dinge, die Jesus lehrte – sie glauben auch an Jesus. Nachricht und Natur von Jesus sind untrennbar miteinander verbunden.

Warum gaben die Jünger Jesu alles auf?
Die Jünger Jesu erwartete ein Leben der Entbehrung, als sie ihre Familienunternehmen aufgaben. Sie waren keine Tagelöhner, bei denen alles besser war als ihr bisheriger Job. Sie hatten Arbeit und scheinen nicht mittellos gewesen zu sein. Doch den Rest ihres Lebens verbrachten sie damit, Jesus als Auferstandenen zu verkünden.

Was war passiert, dass sie mit dieser Story loszogen? Warum sollten sie nach dem Tod ihres Meisters noch an ihn glauben? Jemand musste ihnen eine Anfangseuphorie verpasst haben. Der Althistoriker Alexander Demandt schreibt dazu: „Ein Christentum nur mit Bergpredigt und einer Naherwartung des Weltendes hätte für den durchschlagenden Missionserfolg kaum ausgereicht.“

Was für die Auferstehung spricht
Für Historiker gilt der Grundsatz, dass zunächst der ältesten Quelle der Vorzug zu geben ist. Es hat also seine Berechtigung, die biblischen Berichte so zu lesen, wie sie dastehen. Auffällig ist: 17 der 27 Schriften im Neuen Testament erwähnen Jesu Auferstehung, fast alle übrigen setzen sie voraus. Die Auferstehung Christi war es, die die Anhänger von Jesus antrieb, Menschen zu erreichen und die Welt zu verändern.

Der jüdische Wissenschaftler Pinchas Lapide (1922–1997) war kein Christ. Trotzdem überzeugten ihn die Darstellungen über die Auferstehung in den Evangelien von Matthäus 28, Markus 16 und Lukas 24, weil hier Frauen als erste Zeugen des Auferstandenen genannt werden. Frauen wurden im damaligen Judentum nicht als juristische Zeugen zugelassen. So ließ sich der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37–100 n.Chr.) folgendermaßen über Frauen aus: „Das Zeugnis der Frau ist nicht rechtsgültig wegen der Leichtfertigkeit und Dreistigkeit des weiblichen Geschlechts.“ Wenn also die Geschichte vom leeren Grab erfunden worden wäre, hätte man sie in der Antike nicht mit Frauen als Zeuginnen erfunden – und schon gar nicht, dass sie obendrein die Ersten am Grab waren. Diese Ehre hätte sonst sicherlich dem Apostel Petrus gebührt. Die Darstellung mit den Frauen am Grab ergibt nur Sinn, wenn es auch tatsächlich so war.

Die Evangelien berichten sehr glaubhaft die Szenen um die Auferstehung. Da bezweifeln selbst die größten Glaubenshelden die Auferstehung und verkriechen sich vor den jüdischen Autoritäten. Da wird der auferstandene Jesus für einen Gärtner gehalten, und bei Jesu erster Erscheinung bekommen alle Angst. Schreibt man als Evangelist so, wenn es nicht stimmt?

Mehr als ein Jesus-Christus-Gedenkverein
Nach dem Zeugnis aus Apostelgeschichte 2 gingen die ersten Christen los und verkündeten wenige Wochen nach der Kreuzigung mitten in Jerusalem: „Gott hat den Jesus Christus, den ihr gekreuzigt habt, auferweckt.“ Die Jünger wurden von der Wirklichkeit überwältigt – daraufhin gingen sie los und veränderten die Welt.

Die frühen Christen hatten eine klare Antwort auf die Frage, warum sie Jesus auch nach seinem Tod als Messias verkündeten: das leere Grab UND die Erscheinungen nach der Kreuzigung. Es braucht das leere Grab und die Erscheinungen. Ein leeres Grab alleine hätte keine Bewegung losgetreten. Erst durch Ostern wurde die Schande der Kreuzigung aufgehoben und die Gottessohnschaft von Jesus bestätigt. Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, würde es sich bei den Christen nur um einen Jesus-Christus-Gedenkverein handeln.

Was meine Frau angesichts des Todes tröstete
Meine Frau hat sich häufig schwergetan mit ihrer Krebserkrankung, was leicht nachvollziehbar ist. Sie hatte schreckliche Schmerzen und den Tod vor Augen. Besonders drastisch wurde es, als nach einer kurzen Phase der Erholung am Tag nach Weihnachten die Nachricht kam: Der Krebs ist nicht besiegt, er hat Metastasen gebildet. Also ging die Therapie wieder von vorne los – und dieses Mal ohne große Aussichten auf Erfolg.

Kurz nach dieser Nachricht schreibt Christine in ihr Tagebuch: „Lese in letzter Zeit einiges über den Himmel und frage mich, warum uns der Tod so schrecklich erscheint. Paulus schreibt: ‚Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn.‘ Auch wenn ich wohl jung sterben muss, so habe ich viele Jahre glücklich gelebt und kann hoffentlich meine restliche Erdenzeit auch noch glücklich leben, um dann in Ewigkeit glücklich in Gottes Gegenwart zu leben. Wir wollen unser Leben, das wir einigermaßen kennen, in dem wir mehr oder weniger glücklich sind, festhalten und haben Angst, es gegen die Ungewissheit des Himmels einzutauschen, obwohl wir hoffen und glauben, dass es uns dort viel besser geht und wir endlich in so enger Gemeinschaft mit Jesus leben können, wie wir es uns immer gewünscht haben. Dabei gibt es in der Bibel so viele Hinweise, wie es im Himmel sein wird.“

Wenig später – nach einer schlimmen Phase des Leidens – trug sie ein: „Kann mich immer mehr auf den Tag freuen, an dem ich für immer in noch viel engerer Gemeinschaft mit ihm [Jesus] leben werde als jetzt, an dem ich ihn sehen werde von Angesicht zu Angesicht und alle Ungewissheit ein Ende hat.“

Der Artikel ist ein Auszug aus dem Buch von Joachim Samuel Eichhorn: „Ostern für Anfänger! und Fortgeschrittene. Jesus – seine Auferstehung und ich“, Norderstedt 2016, 168 Seiten, ISBN 978-3-7392-0392-8, € 9,80


Joachim Eichhorn ist promovierter Historiker und war drei Jahre Reisesekretär der Hochschul- SMD. Er arbeitet in Berlin als Referent im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Er ist verwitwet und Vater von zwei Kindern.


(Quelle: ideaSpektrum 12/2016 , S. 16–18; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung)


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